Alter & Vermögen
Realitätsnahe Renditen und wo sie zu finden sind
Nicht immer erzielen gängige Hochrechnungsmethoden in der Altersvorsorge auch die vorhergesagten Renditen
13. November 2023 | Die deterministische Prognose von Renditen bei Altersvorsorgeprodukten ist eine gängige Praxis in der Finanzbranche. Sie beruht auf festen Annahmen über die zukünftige Entwicklung von Anlageklassen, was Anlegern eine gewisse Vorhersehbarkeit bieten soll. Allerdings bergen solche langfristigen Prognosen oft Unwägbarkeiten, da die Finanzmärkte volatil sind und von zahlreichen unvorhersehbaren Faktoren beeinflusst werden. Altersvorsorgeprodukte haben oft eine lange Laufzeit, während der sich Marktbedingungen erheblich ändern können. Daher sollten Anleger und Versicherungsnehmer im Hinterkopf behalten, dass die tatsächlichen Renditen von ihren anfänglichen deterministischen Prognosen deutlich abweichen können.
Deterministische Verfahren haben oft nur eine begrenze Aussagekraft
In Bezug auf die deterministische Vorhersage existieren in der Finanzbranche verschiedene kombinierte angewandte Methoden:
3-6-9-Methode
Brutto- oder Nettoberechnung
GDV-Methode oder aktuelle Verzinsung des Sicherungsvermögens
Grundsätzlich sind diese Ansätze nicht falsch. Allerdings sind langfristige Vorhersagen von konstanten Wertentwicklungen in der Realität wenig realistisch. Die Finanzmärkte sind von Natur aus volatil und unterliegen ständigen Schwankungen. Altersvorsorgeprodukte sind äußerst komplex und reagieren hochsensibel auf Marktschwankungen.
Das bedeutet, dass die wahren Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken eines Tarifs erst durch realitätsnahe Kursverläufe deutlich werden.
Es liegt daher nahe, sich von den bisherigen Hochrechnungsmethoden als Referenz zu distanzieren, wobei die stochastische Simulation als der neue Standard gilt.
"Langfristige Vorhersagen von konstanten Wertentwicklungen sind in der Realität wenig realistisch. "
Stochastische Simulationen erlauben mehr Spielraum gegenüber echten Marktschwankungen
Stochastische Simulationen können hierbei hilfreich sein, um die Unsicherheiten und Schwankungen in langfristigen Finanzprognosen oder anderen komplexen Szenarien zu berücksichtigen und realistischere Einblicke in mögliche Entwicklungen zu gewinnen.
Durch stochastische Simulationen werden Renditeprognosen realistischer, da sie die Vielfalt möglicher Szenarien und deren Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen, anstatt sich allein auf deterministische Annahmen zu stützen.
Dies beinhaltet die Generierung von 10.000 zufälligen Kapitalmarktszenarien und deren Einbeziehung in die Hochrechnung. Die resultierende Verteilung der Renditen bietet Einblicke in die Chancen und Risiken eines Tarifs, um geeignete Tarifoptionen für den Kunden zu identifizieren. Stochastische Simulationen sind bereits in vielen Versicherungsprozessen Standard.
Stochastische Simulationen werden in der Produktentwicklung von Versicherungsunternehmen angewandt und sind zudem integraler Bestandteil des PRIIP-Basisinformationsblatts. Dies unterstreicht die Bedeutung stochastischer Simulationen auf diesen Ebenen. Daher sollte die Wertschätzung für stochastische Simulationen auch auf Kundenebene erhöht werden.
Denn bisherige Hochrechnungsmethoden konnten die Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft nicht angemessen berücksichtigen. Die stochastische Simulation verleiht der Leistungsfähigkeit von Altersvorsorgeprodukten Transparenz und Verständlichkeit. Daher zeichnet sich die Zukunft eindeutig durch die Einführung kundenindividueller stochastischer Echtzeitsimulation aus.
Realitätsnahe Renditen in der Altersvorsorge? Die finden sich in stochastischen Simulationen!
Ein Artikel von Nima Shahriari, Senior Aktuar (DAV).
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